Telegram-Sperrung: Versehentlich WhatsApp blockiert?

Telegram-Sperrung: Versehentlich WhatsApp blockiert?

Die WhatsApp-Blockade dauerte nur wenige Stunden, reichte aber für massiven Unmut in der Öffentlichkeit.

Sofort stellt sich die Frage, ob Roskomnadzor bei der erneuten Telegram-Sperre versehentlich auch unbeteiligte Unternehmen blockiert hat – sogar staatliche.

Mikhail stellt zu Recht die Frage: Was wäre, wenn während solcher Blockaden das Callcenter des Notfallministeriums betroffen wäre? Das ist durchaus möglich. Roskomnadzor antwortet, dass sie keine Verbindung zur WhatsApp-Blockade haben und Gerüchte aus sozialen Netzwerken grundsätzlich nicht kommentieren.

Das Medienunternehmen „Meduza" überprüfte auf der öffentlichen Website von Roskomnadzor mehrere IP-Adressen von WhatsApp, die tatsächlich blockiert waren. Bei jeder Adresse stand, dass der Zugriff per Beschluss der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation eingeschränkt wurde – derselbe Beschluss wie bei Millionen von Telegram-IP-Adressen. Die WhatsApp-Blockade dauerte nur etwas mehr als eine Stunde, doch das reichte für zahlreiche wütende Kommentare in sozialen Netzwerken. Die Realität: Telegram zu sperren funktioniert einfach nicht – das ruft seit Wochen nur Ironie hervor. Aber wenn auch völlig unabhängige Services blockiert werden, wächst der echte Zorn.

Rachel Denber, Direktorin von Human Rights Watch für Europa und Zentralasien, berichtet, dass die Organisation Russland seit 2012 beobachtet – genau als die russischen Behörden begannen, den Internetzugang zu beschränken. In fünf Jahren wurden 15 neue Gesetze zur Informationskontrolle verabschiedet. Denber ist überzeugt, dass Russland damit Kontrolle über die Gesellschaft ausübt. Sie räumt ein, dass Terroristen keine Plattform für Verschwörungen erhalten dürfen, doch solch grobe Methoden funktionieren in der modernen Welt nicht. Die Telegram-Blockade bestätigt dies vollkommen.

Während der dreißigtägigen Telegram-Sperre waren praktisch alle Russinnen und Russen betroffen, die ins Internet gehen. Verbindungen zu sozialen Netzwerken waren unterbrochen, E-Mails konnten nicht abgerufen werden, und nicht nur Telegram war unerreichbar. Journalisten konnten keine aktuellen Informationen verbreiten – Viber, WhatsApp und Messenger waren oft ebenfalls nicht verfügbar.