Gesperrte Websites in Russland: Aktuelle Situation

Gesperrte Websites in Russland: Aktuelle Situation

Wie es wirklich um blockierte Internetressourcen in Russland bestellt ist – ein detaillierter Überblick.

In sozialen Netzwerken ist das Fachportal LinkedIn ein prägnantes Beispiel. Der Zugang wurde gesperrt, weil die Plattform gegen russische Datenschutzgesetze verstieß. Bei den Nachrichtenmedien war die Blockierung der Website Grani besonders aufsehenerregend – die Generalstaatsanwaltschaft fand dort Aufrufe zu illegalen Protestaktionen. Unter bekannten Persönlichkeiten ist die Website von Kasparov erwähnenswert, betrieben vom Schachgroßmeister Garry Kasparov, der sich offen und kritisch gegen Kreml-Politik äußert.

Ein markantes Beispiel ist Telegram von Pavel Durov. Es zeigt die vergeblichen Versuche von Roskomnadzor, die App vollständig zu blockieren. Tatsächlich können Benutzer die Blockade ohne großen Aufwand innerhalb weniger Minuten umgehen – selbst ohne spezielle Techniken. Telegram lief auf Cloud-Servern von Amazon, Digital Ocean und Google. Roskomnadzor begann, ganze IP-Adressbereiche zu blockieren, was jedoch auch große russische Websites auf denselben Servern beeinträchtigte. Nach drei Wochen aktiver Blockierungen kündigte Roskomnadzor die Freigabe von 3,5 Millionen IP-Adressen an, behielt sich aber punktuelle Blockierungen vor. Für Normalnutzer funktioniert Telegram auf dem Smartphone weiterhin problemlos.

Führende Internet-Experten sind sich einig: Ein vollständig funktionierender Filtermechanismus im Internet ist unmöglich. Die einzige praktikable Lösung ist eine „Whitelist" – eine Liste erlaubter Websites statt gesperrter. Man würde ein Register aufbauen, das nur vertrauenswürdige Ressourcen enthält und regelmäßig überprüft wird. Selbst Chinas „Goldener Schild" kann die Blockade nicht hundertprozentig durchsetzen. In China liegt der Unterschied nicht in der Technik – VPN lässt sich auch dort schnell konfigurieren – sondern in den administrativen Strafen.

WeChat

Zudem hat China auf seinem Markt hervorragende Eigenentwicklungen, die westlichen Pendants ebenbürtig oder überlegen sind. Als westliche Messenger blockiert wurden, startete WeChat – ein lokaler Messenger, den fast die gesamte Bevölkerung nutzt. Es geht aber über Kommunikation hinaus: Nutzer können Geld überweisen, Arzttermine vereinbaren oder Restaurants buchen. Besonders bekannt sind Videos von chinesischen Bettlern, die über WeChat um Spenden bitten. Die Strategie sollte lauten: Erst eine gleichwertige oder bessere Alternative schaffen, dann strenge Maßnahmen ergreifen.